Effizienz, Humor und Herzlichkeit

Wochenlehrgang des Aikido-Verbandes Thüringen 2015

Wie Veranstaltungen den Weg in die „Fixe Liste“ meiner Jahresplanung finden, ist nicht immer ganz klar. Auf jeden Fall hatte ich mir für dieses Jahr den Wochenlehrgang in Thüringen fest eingeplant, da BWL I und BWL II nicht in der Hamburger Ferienzeit lagen und zum Besuch des BWL III sowieso keine Chance besteht. Außerdem hatte ich viel Gutes über Frank Zimmermann (5. Dan Aikido), den Trainer des Lehrgangs gehört. Aus Hamburg waren einige Aikidoka auf einem seiner Lehrgänge gewesen, den ich nicht besuchen konnte. Schwerpunkt war damals die Reaktion auf Fußtritte. Es hieß, der wisse genau, was er tue. Mir persönlich war Frank bereits einmal an einem Dan-Prüfungstag begegnet. Spätestens, wenn man die Website des Zentrums für Kampfkünste Gera e.V. durchstöbert, wird klar, Frank hat sich nicht nur mit Aikido beschäftigt. Die Neugier wuchs also, je näher der Termin rückte. Im April hatte ich per Facebook schon mal angefragt, ob denn noch Plätze frei wären. Als die Bestätigung meiner Anmeldung von Dr. Dirk Bender, dem Lehrgangsleiter kam, freute ich mich natürlich riesig auf die bevorstehenden Trainingseinheiten, auf neue Bekanntschaften und auf anregende Gespräche.

Die Anreise dauerte erwartungsgemäß 5 Stunden. Als ich an der Rezeption stand, tauchte auch schon Dr. Dirk auf und half mir bei der Abwicklung der Formalitäten. Das Zimmer war schnell bezogen und der Lehrgang konnte pünktlich mit einer kurzen Einweisung in die Woche beginnen. Dazu suchten wir einen Seminarraum auf und klärten die offenen Fragen. Ich hatte das Gefühl, dass die meisten im Raum sich kannten, und als ich auch noch persönlich und herzlich als einziger Nicht-Thüringer begrüßt wurde, fühlte es sich wie eine offene entgegen gestreckte Hand an. Als das erste Training begann, wurde zunächst in einer Gesprächsrunde nach den Wünschen und Erwartungen gefragt. Auch die Möglichkeit einen Theorie-Abend zu organisieren wurde vorgeschlagen. Ein Blick in die Runde zeigte Teilnehmer unterschiedlichster Graduierungen von den Weißgurten bis zu den Danträgern. Nach dem Gespräch wurde mir das Ausmaß meiner aufzuholenden Kondition bewusst.

Die Aufwärmphasen, mit denen Frank uns in kürzester Zeit von Null auf Hundert brachte, hatten es in sich – in jeweils zwei der drei täglichen Trainingseinheiten. Ob laufend, hüpfend, springend, allein, mit einem oder sogar zwei Partnern, mit leeren Händen, mit Stab, mit Schwert, mit Bällen oder Pratzen, es verging keine Einheit, in der Frank mich nicht überraschen konnte, wenn es um die Aktivierung aller Muskelpartien und die Anregung des Kreislaufes ging. Es gab eine Menge guter Spielideen, die ich mit ins Kindertraining in meinem Verein übertragen möchte.

Technisch ist etwas passiert, das ich so nicht erwartet hätte. Mein „Bericht folgt. Ich habe da ein paar Veränderungen im Kopf, die erst noch in den Körper übergehen müssen.“, wie ich es auf Facebook Frank übermittelte, hatte seinen Grund. Neuerdings seziert meine Aufmerksamkeit geradezu den Tai-sabaki und den Tenkan-ashi an mir selbst und beim Beobachten anderer Aikidoka. Dirk und Frank erklärten unabhängig voneinander dieses Detail mit den Erfahrungen, die Frank in anderen Kampfkünsten bereits gesammelt hat. Schon in der ersten Trainingseinheit hieß der Tai-sabaki plötzlich „3-Sabaki“ oder wie es mir, nach der trocken humorvollen Art wie es unterrichtet wurde, durch den Kopf ging, „Dry-Sabaki“. Besonders, weil ich ja selbst im Training immer darauf hinwies, dass der erste Schritt im Tai-Sabaki „auf den Partner zu“ gehen muss, damit die Distanz verkürzt und der Partner in seiner Bewegung beeinträchtigt würde, bevor der zweite Schritt hinten nach der Drehung gesetzt werden sollte, war ich so fasziniert davon, dass genau dazwischen „enorm viel Zeit der Aufmerksamkeit“ liegen kann, wenn man nun erst die Hüftdrehung bewusst durchführte, um dann den Fuß als Stabilisierung hinten abzustellen. Beim Tenkan-ashi stellte sich ebenfalls ein solches Detail ein, auf das ich schon früher hätte kommen können.

Vorher: „Bewege dein Zentrum auf den Uke zu. Deine Hand ist nun genau vor deinem Zentrum und du kannst dich ohne Krafteinsatz drehen und dabei deinen Uke mitnehmen.“
Nachher: „Bewege dich mit einem Tsugi-ashi an die Seite deines Partners, dreh deine Hüfte so, dass eine schiebende Bewegung vor deinem Zentrum entsteht die deinen Partner bewegt und setze den hinteren Fuß wieder hinter dich.“

Das klingt völlig anders, aber beschreibt im Grunde für das ungeübte Auge dasselbe. Es sind so viele Details auf mich eingeströmt, die in ihrer Logik nicht lange hinterfragt werden mussten. Vom Angreiferverhalten über die richtige Zentrumsarbeit bis hin zum Umgang mit verschiedenen Distanzen über das Training mit Jo, Bokuto, Tanto. Vom korrekten Schlagangriff über den Fußtritt in der Einzelbewegung bis hin zur anschließenden Technik war Gelegenheit für jeden Teilnehmer und jede Teilnehmerin, sich für das eigene Training etwas mitzunehmen, an dem man reifen kann. Was davon bei mir hängen bleiben wird, zeigt die Zukunft.

Die Abendeinheiten wurden als freies Training eingefordert und organisiert. Hier konnten alle Teilnehmer innerhalb ihres Prüfungsprogramms arbeiten. Dirk und Frank standen als Berater zur Seite und gaben jederzeit bereitwillig Auskunft. Weil es zu solchen Gelegenheiten gut ist, einen festen Partner zu haben, versuchte ich den Kontakt zu Mario, der mir erzählte, dass er erst wieder aufarbeiten müsse, was er mal nach der alten Prüfungsordnung gekonnt hatte. Als 3. Kyu hatte er da ja immerhin schon einiges abgearbeitet, was heute zum 2. Kyu gebraucht wurde. So gingen wir Abend für Abend mit sichtbarem Erfolg das gesamte Programm bis zum 2. Kyu durch.

Nach dem Training wurde diskutiert und erzählt, ausgetauscht und gewitzelt, während die Gastronomie in der Sportschule Bad Blankenburg fleißig Umsatz machte.
An diesen Abenden oder in den Pausen vor dem Essen kam ich so langsam mit fast jedem Teilnehmer mal ins Gespräch. Einerseits waren sie neugierig, warum ich mir gerade diesen Lehrgang ausgesucht hatte, wie ich ihn fand, oder was wir in Hamburg vielleicht anders machten.
Es wurde andererseits aber auch aus dem Berufsleben erzählt, von Sorgen und Problem, ja selbst vor der Politik machten wir nicht halt.

Highlights der Woche waren die Prüfungen zum 5. Kyu, zum 3. Kyu und zum 1. Kyu. Von hier aus noch einmal einen herzlichen Glückwunsch an Euch, Sven, Matthias und Angela. Highlight der Woche war sicher auch das Grillen am Samstagabend. Das Wetter meinte es ja relativ gut mit uns.

Wenn ich ein kurzes Schlusswort sagen darf: „Es war eine geile Woche.“
Wenn es länger sein soll: „Dirk, Frank, Mario, Sven, Patrick, Marco, Nina, Maia, Matthias, Lars, Angela, Norman, Harald, Stefan, Stephan, Jenny, Ecki, … (ich vergesse immer ein paar Namen) … ihr wart ein tolles Lehrgangsteam. Ich hatte echt ganz viel Spaß und freue mich auf ein Wiedersehen.“

Manchmal finden Veranstaltungen eben den Weg in die „Fixe Liste“ und ich weiß ganz genau, warum das so ist. (A.K.)

Kyuprüfungen April 2015

Nach der erfolgreichen Danprüfung gibt es auch erfreuliche Neuigkeiten von unseren Kyugraden zu berichten. Am 11.4. wurden 4 Aikidoka von Dirk Bender und Heike Lifka auf den nächsten Grad geprüft. Alle haben bestanden und daher gratulieren wir :

5.Kyu : Norman Kreß, René Leibold (beide ZfK Altenburg), Johanna Heuer (ZfK Gera)
2.Kyp : Marc Krypczyk (ZfK Gera)

Danprüfungen Frühjahr 2015

Wir gratulieren der Aikidoka Kristina Löser, die im März ihre Prüfung zum 1.Dan erfolgreich in Frankfurt am Main bestanden hat und wünschen auch weiterhin viel Freude am Weg des Aikido.

Dritte Kata und Waffentechniken für alle

Landeslehrgang mit Roger Zieger, 5. Dan Aikido, in Gera

Am 8. 11. 2014 trafen sich Aikidoka aus Thüringen und Sachsen um gemeinsam beim Regionaltrainer von Berlin und Brandenburg zu trainieren. Für die ersten beiden Einheiten hatte Roger die dritte Kata als Thema gewählt. Diese vertiefende Kata zu den Wurftechniken des Kyu-Programms wurde so gemeinsam vom Weißgurt bis zum 5. Dan trainiert. Die Aufmerksamkeit der Teilnehmer wurde besonders auf das Schrägstellen der Schultern des Angreifers gelenkt. Beim Shiho-nage wurde dieses äußere Zeichen der Gleichgewichtsbrechung dadurch erreicht, dass man Nage bereits vor dem Erstkontakt in seinem Angriff störte und ihn anschließend ununterbrochen bis zum Boden führte. Durch ein etwas anderes Angriffs-Verhalten des Uke gingen wir zum Ude-Kime-Nage über. Für die stete Kontrolle über den Angreifer und sein Gleichgewicht wurden hier beide Arme ohne Unterbrechung an Ukes Arm belassen. Eine gute Kontrolle ohne übertriebene Härte und mit geringer Verletzungsgefahr waren das Resultat. Beim Irimi-nage wurde die Gleichgewichtsbrechung von Roger – und später beim ein oder anderen Teilnehmer – durch Einwirken am Ellbogen des Angriffsarms und der gegenüberliegenden Schulter erreicht. Bei vier Stunden Training an einem Nachmittag waren natürlich auch zwei Pausen nötig. Die Gastgeber hatten leckere Snacks vorbereitet. Vor 25 Jahren wurden die Weichen auch für diesen geselligen Lehrgang gestellt. Durch die Wende wurde das problemlose Reise von Berlin nach Thüringen möglich, nach der Wende die Aikidoverbände in Thüringen und Sachsen gegründet und Bananen für die Stärkung zwischendrin kann man nun jederzeit und ohne Anstehen in der Kaufhalle kaufen. Gestärkt ging es an das Besetzen der Mittellinie beim Kaiten-nage (uchi). Beim anschließenden Juji-garami stellte das Aufspannen des später gehebelten Armes für einige Nicht-Motorradfahrer anfänglich eine Herausforderung dar. Beim Trainieren des Kaiten-nage (soto) lag, hoffentlich nicht nur an diesem Samstagnachmittag, die Betonung auf der Gleichgewichtsbrechung durch die Übertragung von Nages Zentrum auf den Ellenbogen des Partners. Als Abschluss der zweiten Einheit setzten wir die erste Hälfte der dritten Kata zusammen. In der abschließenden Einheit verteidigten wir uns unter Rogers Anleitung mit Tekatana, Messer oder Stock gegen Angriffe mit dem Schwert. Für den überwiegenden Teil der Trainierenden war dies ein seltener Ausflug in die Welt der Waffentechniken. Wie immer ging Roger auf Probleme und Anregungen der Teilnehmer ein. Was er dabei lernte und wie die letzte Technik des Lehrgangs genau auszuführen ist, das kann man auf der facebook-Seite „Aikido Verband Berlin Brandenburg“ nachlesen. Vielleicht war es der Begeisterung über die Bewaffnung zu verdanken, dass die Aufmerksamkeit bis zum Ende hoch war und der Lehrgang verletzungsfrei zu Ende ging. Nach vier Stunden Training verabschiedeten wir uns erfüllt mit vielen neuen Eindrücken und in Vorfreude auf den Neujahrslehrgang am 3. Januar 2015. Mögliche Themen dieses Jahresauftaktes in Altenburg gingen dem Einen oder der Anderen dabei vielleicht schon durch den Kopf.

Danprüfungen Oktober

Zum Danprüfungstermin im Oktober stellten drei Aikidoka des AVTH ihr Können unter Beweis, um den schwarzen Gürtel zu erlangen. Es freut uns, Thomas Kämmler, Marko Kaufmann und Eckart Vogelsberger zur bestandenen Prüfung auf den 1.Dan beglückwünschen zu können und wir hoffen, dass sich unsere neuen Schwarzgurte auch weiterhin für die Erhaltung und Verbreitung des Aikido in Thüringen einsetzen.

Bericht Wochenlehrgang Bad Blankenburg 19.08. - 25.08.2014

Bad Blankenburg, Samstag 19. August 2014. Es war ein herrlicher Spätsommertag in dieser schönen
Thüringer Kleinstadt, als sich dort ca. 30 Aikidoka trafen. Sie alle waren in voller Vorfreude auf den
alljährlichen Wochenlehrgang des Aikido-Verbandes Thüringen.
Nach unserer Ankunft in der Landessportschule wurden erst einmal die Zimmer verteilt und bezogen. Es
folgte ein Willkommensgruß durch unseren Lehrer für die kommende Woche: Frank Zimmermann. Er
verkündete uns, dass Dr. Dirk Bender krankheitsbedingt leider nicht am Lehrgang teilhaben konnte. Der
Wochenlehrgang musste also diesmal ohne ihn auskommen, jedoch waren wir natürlich bei Frank in besten
Händen.
Nach der kurzen Einführung schlüpften wir alle in unsere weiße Kluft und traten an zum Mattenaufbau, der
ziemlich schnell einen ansehnlichen Trainingsbereich hervorbrachte. Daran schloss sich das erste Training
an. Und los ging es: unter Anleitung unseres Meisters Frank wurden Ukes durch die Halle geworfen, die
physiologischen Schwachstellen des Körpers ausgenutzt, mit Bokken, Jo und Tanto aufeinander
losgegangen und wohl dosierte Schmerzen zugefügt.
Eines der angestrebten Ziele des Wochenlehrgangs war das Erzeugen von Stress in einer Angriffssituation.
Es galt als Uke das richtige Maß beim Angreifen zu finden um den Trainingspartner gerade soweit Stress
auszusetzen, dass dieser eine möglichst saubere Technik anwenden konnte. Spannende Variationen des
Randori am Ende der Trainingseinheiten erzeugten Stresssituationen, die dem Nage schnelle Reaktionen
abverlangten und eben dieses Ziel verfolgten.
Auf Wunsch einzelner Aikidoka integrierte Frank ein paar Lockerungs- und Entspannungsübungen in das
Training, welche unsere strapazierten Muskeln und uns selbst aufatmen ließen.
Die Pausen zwischen den drei Einheiten pro Tag wurden am Hotelbuffet verbracht, an der frischen Luft für
einen Spaziergang genutzt oder abends mit Bier vom hoteleigenen Pub gefüllt. Außerdem bastelte eine
kleine Gruppe der Teilnehmer an einem Filmprojekt, woran seit 2 Jahren die Erwartungen daran ins
Unermessliche stiegen. Am Samstagabend waren nun alle Aikidoka eingeladen, der lang ersehnten
Premiere dieses Meisterwerks der Filmkunst beizuwohnen. Die Produzenten Lars Warnstedt und Jonathan
Schüßler ernteten verdienten Beifall und sonnten sich in ihrem Erfolg.
Zuvor fand eine weitere Attraktion statt, welche seit Jahren zur Tradition des Wochenlehrgangs gehört: unser
Grillabend. Mario Helbig erklärte sich für dessen Organisation bereit und sorgte zusammen mit Sandra
Posern, die von Aikido-Übungswaffe auf Grillzange umschwenkte, für unser leibliches Wohl. Bis spät in die
Nacht verweilten die Aikidoka noch im Foyer des Hotels um sich gegenseitig mit dem ein oder anderen
Schwank aus ihrer Jugend zu erheitern.
Dirk beehrte uns am Samstagnachmittag doch noch mit einem kurzen Besuch und nahm gemeinsam mit
Frank die Kyu-Prüfungen ab. Zur Prüfung, die erneut eine Stresssituation darstellte, traten Kevin Kahte,
Etienne Kleine, Marco Köhler, Stefan Keller und Theresa Trutschel an. Alle Anwärter bestanden und
erlangten somit den nächsten Kyu-Grad.
In der finalen Trainingseinheit am Montagmorgen, welche unter gemütlichen Bedingungen in der
Kampfsporthalle stattfand, ging es um Techniken am Boden. Dabei ließ es sich Frank nicht nehmen,
verschiedene „finishing moves“ zu präsentieren und anschließend von uns üben zu lassen.
Vielen Dank für deine Mühen und Anstrengungen, lieber Frank, die du in diesen Wochenlehrgang gesteckt
hast. Es war mal wieder ein ganz besonderes Erlebnis, aus dem wir uns viel mitgenommen haben!
Auch nächstes Jahr findet in der Zeit vom 20.-26.07.2015 wieder der Aikido-Wochenlehrgang des Aikido-
Verbandes Thüringen statt, den wir mit Freude erwarten. Gäste aus anderen Aikido-Landesverbänden sind
wie immer herzlich willkommen.
Theresa Trutschel
USV Erfurt

Lehrgangsbericht Erfurt 12. Juli 2014

Am 12. Juli diesen Jahres trafen sich Aikidoka aus nah und fern, um in der schönen Landeshauptstadt Erfurt den mittlerweile zur Tradition gewordenen Landeslehrgang zu besuchen. Wie immer oblag es Frank Zimmermann, seines Zeichens 5. Dan und Landestrainer des DAB-Regionalverbandes Thüringen, uns die Thematik „Verteidigung gegen Messerangriffe“ näherzubringen. Bevor sich die etwa vierzig Teilnehmer der Aufgabenstellung in ihrer Gänze hingeben konnten, galt es erst einmal zu verstehen, was einen Messerangriff so gefährlich macht. Im Gegensatz zu etwa einem Baseballschläger oder gar einer Pistole handelt es sich bei dem Messer um eine Waffe, die auf kurze Distanz in jede Richtung gefährlich sein kann. Ist man aus der Schussrichtung des Revolvers in eine relativ sichere Position gelangt oder hat man die Distanz einer Schlagwaffe unterlaufen, stellen diese Waffen nunmehr nur noch eine relativ geringe Bedrohung dar. Bewegt man sich in diesen Fällen richtig, können die Waffen ihrer ursprünglich gedachten Funktion in dieser Form nicht mehr nachkommen. Bei dem Messer verhält es sich anders: kommt es auf eine Person zu, kann es schwerste Verletzungen zufügen. Weicht man korrekt aus, verpasst aber den richtigen Moment zur Reaktion, ist die Klinge bereits wieder auf dem Weg zum Ziel. Und dieses Ziel kann sich auch ganz schnell ändern. Frank Zimmermann verstand es wie immer, seine Philosophie bezüglich der Anwendung und Abwehr von Messern präzise und klar verständlich zu machen. In den seinen anfänglichen Ausführungen folgenden Vorübungen erkannten auch gestandene Aikidoka die Gefahr, welche von einem Angreifer ausgeht, welcher ein Messer als Mittel der Wahl ausgesucht hat. Franks Hintergrund in den philippinischen Kampfkünsten, welche als weltweit führend bei der realistischen Anwendung und Abwehr von Messern gelten, erwies sich bei diesem Lehrgang in Verbindung mit seinem klaren und realistischen Aikido als durchaus augenöffnend. Zu gern überschätzen sich Aikidoka in Hinsicht auf die Verteidigung gegen Messer. Wer aber im Rahmen der Vorübung ein paar Mal von einem Weißgurt „angestochen“ wurde, schraubt seine Meinung vom eigenen Können wieder auf realistische Maße zurück. So machte Frank gleich am Anfang klar, dass man einen Messerangriff nicht abwehrt, sondern überlebt. Und wer, willentlich oder nicht, an einer Auseinandersetzung mit einem Messer teilhat, muss sich darüber klar werden, dass er diese nicht ohne Verletzungen überstehen wird. Es kann also durchaus vorteilhaft sein, fünfzig Euro an einen Räuber abzutreten, als zwar seinen Angriff zu überleben und sich, auch bei Erfolg, mit mehreren Monaten Reha oder bleibenden Schäden herumzuschlagen.

Ein beliebter Punkt beim Fachsimpeln mit befreundeten Aikidoka ist gewöhnlich die Frage, wie herum man das Tanto halten soll. Klinge nach oben oder nach unten? Faszinierend, aber unnötig, wie Frank uns erklärte. Wir gehen einfach von einem Bösewicht aus, der beide Seiten der Klinge angeschliffen hat.

In der ersten der beiden Trainingseinheiten zeigte uns Frank relativ kurze Techniken. Diese wurden auch in Drills eingearbeitet, welche ein, im wahrsten Sinne des Wortes, „Geben und Nehmen“ darstellten. Hierdurch konnte eine sehr hohe Wiederholungsanzahl erreicht werden. Wie man aus sportwissenschaftlichen Untersuchungen weiß, kann eine Technik dadurch am schnellsten vertieft werden. Im Gegensatz zum beim Aikido durchaus beliebten Ausdiskutieren. Gewappnet mit diesen Strategien übertrugen wir das Gelernte in der zweiten Trainingseinheit in das Gerüst bekannter Aikidotechniken. All diesen Techniken gemein war zum einen der (auch durch den Einsatz von Trainingsmessern aus Metall) deutlich erhöhte Stresslevel von Nage und zum anderen der „ernsthaftere“ Abschluss der Technik. Solange der Angreifer noch im Besitz der Waffe ist, stellt er eben noch eine Gefahr dar. Nachdem wir uns gegenseitig drei Stunden lang nach allen Regeln der Kunst entwaffnet und befriedet hatten, oblag es dem Lehrgangsleiter Thomas Kämmler aus Erfurt, sich bei Frank für den gelungenen Lehrgang zu bedanken. Dieser brachte wiederum seine Freude über die große Anzahl an Teilnehmern zum Ausdruck und hoffte seinerseits auf ein baldiges Wiedersehen in Erfurt.

Den krönenden Abschluss des Lehrganges bildete ein gemeinsames Abendessen beim örtlichen Indischen Restaurant. Dieses wurde für uns völlig kostenfrei von einer Rockoper beschallt, welche zu jener Zeit unweit des Lokals bei den Domstufenfestspielen aufgeführt wurde. Durch köstliches Essen gestärkt und musikalisch erquickt blieb uns nur noch die Heimreise und die Vorfreude auf den Lehrgang im kommenden Jahr.

Lars Warnstedt

Neuer Verein im AVTH

Auf der Hauptversammlung am 29. März wurde ein neuer Verein in den AVTH aufgenommen. Wir freuen uns, die neuen Aikidoka aus Bad Frankenhausen im AVTH begrüßen zu dürfen. 

Pressemitteilung

Danprüfung

Am 22. März fand in Berlin eine Danprüfung statt, bei der sich auch ein Aikidoka des AVTH von den kritischen Augen der Prüfer begutachten ließ.

Es freut uns mitteilen zu können, dass Stephan Kupfer nun Träger des 1.Dan Aikido ist.

Wir gratulieren und wünschen ihm auch weiterhin viel Erfolg uns Spaß  beim Aikido.

   
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